Aortenaneurysma - BAA

5% der Männer über 65 Jahre haben eine Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta), welche überwacht werden sollte. Bei einem Prozent dieser Männer ist eine umgehende Behandlung notwendig. Am häufigsten ist die Bauchschlagader betroffen, dies wird als BAA = Bauchaortenaneurysma bezeichnet. Frauen sind seltener betroffen, das Verhältnis zwischen Männer und Frauen liegt bei 1:7.


Symptome

In der Regel bereitet ein Aneurysma der Aorta (Hauptschlagader) keine Beschwerden und genau darin liegt die größte Gefahr. Durch Größenzunahme des Aneurysmas können Rückenschmerzen auftreten, da sich die Hauptschlagader in unmittelbarer Nähe der Wirbelsäule befindet. Oftmals werden diese ersten Beschwerden fehlgedeutet und nicht der Hauptschlagader zugeordnet. Durch eine einfache Ultraschalluntersuchung lässt sich ein Aortenaneursma im Bauchraum schnell feststellen.

Im Falle des Platzens des Aneurysmas der Hauptschlagader verspürt der Betroffene einen vernichtenden Schmerz im Rumpfbereich mit Projektion auf den Rücken. Die innere Blutung führt zu starken Kreislaufreaktionen bis hin zum Schock mit Übelkeit und Brechreiz. Dieser Zustand ist absolut lebensbedrohlich und erfordert sofortige notärztliche Hilfe. Wählen Sie die Notrufnummer 112.


Ursachen

Durch den Verlust der Elastizität der Gefäßwand der Hauptschlagader kommt es zur Ausbildung eines Aortenaneurysmas. Ursächlich für den Elastizitätsverlust sind die Verkalkungen in der Gefäßwand, die Arteriosklerose. Die Gefäßverkalkungen werden durch die bekannten Risikofaktoren, zu hoher Blutdruck (Hypertonus), zu hoher Blutzucker (Diabetes mellitus) und zu hohe Blutfette (Hypercholesterinämie) verursacht. Raucher sind besonders gefährdet, darüberhinaus wird auch eine genetische Veranlagung beobachtet.


Risiken

Die Hauptgefahr besteht darin, dass die Wand des Aneurysmas plötzlich einreißt / platzt und es zum inneren Verbluten kommt. Albert Einstein, Thomas Mann und Charles de Gaulle sind an einem geplatzten Aortenaneurysma gestorben. Die zweite Gefahr besteht darin, dass sich in der Erweiterung, dem Aneurysma Blutgerinnsel bilden, die zu einem akuten Verschluß der Beinarterien führen können.


Diagnose

Größere Aortenaneurysmen kann der Hausarzt im Rahmen der körperlichen Untersuchung als pulsierende Raumforderung im Bauch tasten. Kleinere Aneurysmen lassen sich durch eine einfache, nicht belastende, strahlenfreie Ultraschalluntersuchung feststellen. Ab einem Durchmesser von 4 cm sollten halbjährliche Ultraschallkontrollen erfolgen. Nimmt der Durchmesser in einem Jahr um mehr als 7 mm zu, ist genauso wie bei einem Durchmesser von 5 cm oder mehr, eine genauere Untersuchung mit einer CT-Angiographie (Computertomographie mit Kontrastmittel) notwendig, da die Gefahr des Platzens erheblich ansteigt.


BAA-Screening - Was ist das?

Bei einem BAA - BauchAortenAneurysma-Screening wird der Bauch abgetastet und eine kurze, einfache Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung ist schmerzlos und strahlenfrei. Zusätzlich wird, wegen der möglichen erblichen Veranlagung, nach vorbekannten Aneurysmen in der Familie gefragt.

Ab einem Durchmesser des Aneurysma von 5 cm steigt die Gefahr des Platzens erheblich an. Durch ein rechtzeitiges Screening lässt sich Schlimmeres verhindern.

Das Gefäßzentrum Agatharied beteiligt sich jährlich im Mai am nationalen BAA-Screening-Tag auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.

Leider sind gefäßmedizinische Screening-Untersuchungen aktuell keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.


Therapie

Der Durchmesser und die Lage des Aortenaneurysmas sowie die Begleiterkrankungen des Patienten entscheiden über die Wahl der zur Verfügung stehenden Behandlungstechniken.

Bei der klassischen Technik erfolgt die Operation durch einen Schnitt am Bauch. Das Aortenaneurysma wird entfernt und eine Gefäßprothese als Ersatz eingenäht. Fast alle Aortenaneurysmen können mit dieser Methode behandelt werden.

Bei der modernen endovaskulären Technik wird über die Leistenschlagadern eine Stentprothese in die Hauptschlagader eingepasst und dadurch das Aortenaneurysma ausgeschaltet. Die Bauchhöhle wird nicht eröffnet, wodurch der Eingriff für den Patienten schonender ist. Sehr viele, noch nicht alle Aortenaneurysmen, können mit einer Stent-Prothese behandelt werden.

Das Gefäßzentrum Agatharied ist auf die Behandlung von Aortenaneurysmen spezialisiert und bietet alle modernen, endovaskulären neben den klassischen Therapieverfahren an.

Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes nach der klassischen Technik beträgt 7 bis 14 Tage, nach der endovaskulären Technik 5 Tage. Wir beraten Sie über die in Ihrem Fall am besten geeignete Behandlungsmethode.


Nachsorge

Die kurzfristige, bis mittelfristige Erholung ist abhängig von der Art der durchgeführten Behandlung. Die Erholungsphase nach der Implantation einer Stent-Prothese beträgt ca. 2 bis 3 Wochen,  nach der klassischen Technik mit Bauchschnitt ca. 6 bis 8 Wochen.

Der langfristige Erfolg einer Behandlung hängt wesentlich davon ab, wie konsequent Sie gegen Ihre Risikofaktoren vorgehen. Es ist ausnahmslos erforderlich die bekannten Risikofaktoren, hoher Blutdruck, hoher Blutzucker, hohe Blutfette optimal einzustellen. Hören Sie auf zu Rauchen, Raucher sollten spätestens nach bekanntwerden ihres Aortenaneurysmas Aufhören zu Rauchen. Nach einem Eingriff an der Hauptschlagader ist die dauerhafte Einnahme eines Blut verdünnenden Medikamtes, in der Regel ASS 100 (1xtgl), notwendig.