Carotisstenose (Verengung der Halsschlagader)

Eine Verengung der Halsschlagader entsteht im Rahmen der generalisierten Arteriosklerose. Die Verkalkungen der Arterien betreffen den ganzen Körper und somit auch die Halsschlagader. Jährlich erleiden ungefähr 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall und mehr als eine Million Menschen leiden unter körperlichen oder geistigen Behinderungen als Folge eines Schlaganfalles. 20% dieser Schlaganfälle werden durch eine Verengung der Halsschlagader hervorgerufen.


Symptome

Die Verengung der Halsschlagader kann über viele Jahre beschwerdefrei sein. In einzelnen Fällen kann die Verengung unbemerkt bis zum Verschluß der Halsschlagader führen. Problematisch wird es, wenn die Verengung der Halsschlagader einen Schlaganfall auslöst. Auch hier kann es zu unbemerkten Schlaganfällen, sog. „stumme Hirninfarkte“ kommen. Von einem „Schlagerl“ spricht man, wenn sich die Zeichen eines Schlaganfalles innerhalb weniger Stunden vollständig zurückgebildet haben.

Warnzeichen eines Schlaganfalles sind ein dringender Notfall und benötigen sofortige notärztliche Hilfe. Wählen Sie die Notrufnummer 112.

Warnzeichen, die plötzlich auftreten sind:

  • Schwierigkeiten beim Sprechen
  • Taub
  • Vorübergehende Lähmung oder Muskelschwäche in Arm und/oder Bein
  • Unscharfes Sehen
  • Kurzzeitige Blindheit auf einem Auge
  • Sehen von Doppelbildern
  • Eingeschränktes Gesichtsfeld
  • Drehschwindel
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Heftigste Kopfschmerzen

Ein Schlaganfall entsteht durch eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns. Der dadurch bedingte Sauerstoffmangel führt zu einer dauerhaften Zellschädigung des Gehirns. Von daher ist Eile geboten, jede Minute zählt die der Patient früher behandelt werden kann.


Ursachen

Ein plötzlicher Verschluss einer das Gehirn versorgenden Schlagader kann einen Schlaganfall auslösen. Dies betrifft ca. 80% aller Schlaganfälle. Eine Blutung in das Hirngewebe durch das Platzen eines Blutgefäßes kann ebenfalls einen Schlaganfall verursachen. Dies betrifft ca. 15-20% der Schlaganfälle. Stark erhöhter Blutdruck oder eine angeborene Gefäßfehlbildung (Aneurysma) können eine solche Hirnblutung auslösen.


Risiko

Die Verengung kann immer stärker werden, dadurch steigt das Schlaganfallrisiko. Je höher der Grad der Engstelle wird, desto größer ist die Gefahr eines Verschlusses der Halsschlagader und - in der Folge - eines Schlaganfalles. Aber nicht nur der Grad der Engstelle muss beachtet werden, sondern auch die Art der Verengung. Besteht die Verengung aus sehr weichen Ablagerungen in der Halsschlagader, so ist die Gefahr höher einen Schaganfall auch schon bei geringradigeren Engstellen zu erleiden. Aus den weichern Ablagerungen können sich Partikel lösen, die eine kleinere Hirnarterie verschließen und dadurch einen Hirninfarkt auslösen.


Diagnose

Die Untersuchung der Halsschlagadern erfolgt mittels schonendem Ultraschall in Form einer farbkodiereten Duplexsonographie. Ihr Hausarzt wird Sie, sofern er diese Untersuchung nicht selbst anbietet, einem Gefäßspezialisten vorstellen. Bei dieser Untersuchung wird der Verlauf der Halsschlagadern auf Ablagerungen und Verengungen untersucht. Gleichzeitig kann der Grad der Engstelle/Stenose und die Art der Engstelle (hart oder weich) beurteilt werden.

In Abhängigkeit des Ultraschallergebnisses und der fachärztlichen neurologischen Untersuchung wird entschieden, ob eine zusätzliche Röntgendiagnostik mittels Computertomographie oder Kernspintomographie notwendig ist.


Therapie

Bei einer zufällig festgestellten Verengung der Halsschlagader, ohne weitere Auffälligkeiten im Sinne der oben aufgelisteten Warnzeichen, wird zunächst gemeinsam mit dem Hausarzt die medikamentöse Behandlung überprüft und ggf. angepasst. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen zur Verlaufsbeurteilung werden in Abhängigkeit des Grades der Verengung durchgeführt.

In jedem Falle ist ein blutverdünnendes Medikament, in der Regel Acetylsalicylsäure (ASS 100) einmal täglich einzunehmen. Hinzu kommt ein zweites wesentliches Medikament zur Stabilisierung der Gefäßwand, ein Statin. Das Statin ist bekannt aus der Behandlung zu hoher Cholesterinwerte, ist in diesem Zusammenhang jedoch unabhängig von der Höhe des persönlichen Cholesterinspiegels einzunehmen. Die Dosierung ist abhängig von der Wahl des Statins. Ein drittes Medikament unterstützt die Wirkung des ASS 100 und des Statins, es handelt sich hier um einen ACE-Hemmer. Diese Medikamentengruppe ist aus der Behandlung des zu hohen Blutdruckes bekannt.

Zusammengefaßt ist somit die Einnahme von ASS 100, einem Statin und einem ACE-Hemmer, jeweils einmal täglich, bei Vorliegen einer Verengung der Halsschlagader erforderlich.

Darüber hinaus ist es unverzichtbar die bekannten Risikofaktoren (zu hoher Blutdruck, zu hoher Cholesterinspiegel, zu hoher Blutzucker) der Arterienverkalkung optimal einzustellen. Raucher werden gebeten, das Rauchen zu beenden.

Handelt es sich um eine Verengung der Halsschlagader, die verantwortlich für das Auftreten eines der oben genannten Warnzeichens ist, ist eine unmittelbare Beseitigung der Halsschlagaderverengung, zur Verhinderung eines stärkeren Schlaganfalles, dringend durchzuführen.

Bei der Operation werden die Ablagerungen vollständig aus der Halsschlagader geschält. Durch ein spezielles Neuromonitoring wird die Durchblutung des Gehirns während der Operation überwacht, so dass größtmögliche Sicherheit für den Patienten gegeben ist. Je nach Befund wird in die Halsschlagader ein Patch (Flicken) eingenäht oder die Arterie wird direkt vernäht. Der Krankenhausaufenthalt beträgt vier bis fünf Tage.

In ausgewählten Fällen ist die Behandlung einer verengten Halsschlagader mittels Ballonaufdehnung und Gefäßstütze (Stent) möglich. Hierbei wird über die Leistenschlagader ein spezielles System an die verengte Halsschlagader herangeführt und anschließend freigesetzt. Die Ablagerungen werden dabei durch den Stent in die Gefäßwand gedrückt. Der Krankenhausaufenthalt beträgt zwei bis drei Tage.

Durch die Gefäß- und Schlaganfallspezialisten im Gefäßzentrum Agatharied wird ein individueller Behandlungsplan unter Berücksichtigung der exakten anatomischen Gegebenheiten der Halsschlagaderverengung fetsgelegt. Wir beraten Sie über die in Ihrem Fall am besten geeignete Behandlungsmethode.


Nachsorge

Die Erholungszeit nach der Behandlung der Halsschlagader ist in aller Regel sehr kurz. Nach jeder Operation an der Halsschlagader empfehlen wir eine erneute Gefäßuntersuchung zur ersten Verlaufskontrolle in drei Monaten. Weitere regelmäßige Untersuchungen beim Gefäßspezialisten ermöglichen die frühzeitige Feststellung erneuter Gefäßveränderungen und begünstigen eine schnelle Behandlung.

Unabhängig von der Art der Behandlung ist entscheidend wie konsequent Sie gegen Ihre Risikofaktoren vorgehen. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung der Halsschlagader ist es ausnahmslos erforderlich die bekannten Risikofaktoren, hoher Blutdruck, hoher Blutzucker, hohe Blutfette optimal einzustellen. Raucher sollten spätestens nach einem Gefäßeingriff Aufhören zu Rauchen. Nach einer Behandlung an der Halsschlagader ist die dauerhafte Einnahme eines Blut verdünnenden Medikamentes, in der Regel ASS 100, eines Statins und eines ACE-Hemmers notwendig.