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Periphere arterielle Verschlußkrankheit/Schaufensterkrankheit

Die Schaufensterkrankheit ist weit verbreitet, bei ca. 20% der 65-Jährigen liegt bereits eine Verkalkung der Beinarterien vor. In Deutschland leiden etwa 4,5 Millionen Menschen an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz pAVK. Etwa 15 bis 20 Prozent derdeutschen Bevölkerung über 70 Jahre sind betroffen, Männer häufiger als Frauen. Leider werden die Symptome, wie unklare Schmerzen beim Gehen, erst spät erkannt. Unbehandelt kann die Krankheit zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.


Symptome

Durchblutungsstörungen der Beine äußern sich meist durch einsetzende Wadenschmerzen beim Gehen. Diese können bereits nach wenigen Metern oder aber auch nach mehreren hundert Metern Gehstrecke auftreten.

In schwereren Fällen können diese Durchblutungsstörungen bereits in Ruhe, häufig nachts, auftreten. Dies führt zur Unterbrechung der Nachtruhe, die Betroffenen lassen das schmerzende Bein aus dem Bett hängen, um dadurch eine Linderung der Beschwerden zu erfahren.

Die schwerste Form der Arterienverkalkung führt zum Absterben von Gewebe, wodurch schwarze Zehen, Knöchel oder Fersen entstehen können. Da Raucher oftmals von dieser schweren Form betroffen sind, spricht man umgangssprachlich vom „Raucherbein“. Amputation ist die Folge.


Ursachen

Die Entstehung der Arterienverkalkung wird klassischerweise durch vier Risikofaktoren verursacht. Hierzu zählen in erster Linie das Rauchen (Nikotinkonsum) und der zu hohe Blutdruck (Hypertonus), dazu kommt die  Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und ein zu hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie).

Zu 95% sind Arterienverkalkungen in den Beinschlagadern für die Beschwerden verantwortlich. Diese Verkalkungen verursachen Engstellen oder auch Verschlüsse in den arteriellen Blutgefäßen der Beine. Dadurch wiederum kommt es zur schlechteren Versorgung der Wadenmuskulatur mit Sauerstoff aber auch Nährstoffen und somit zu Schmerzen beim Gehen, die zum Stehenbleiben zwingen.


Prävention

Die beste Vorbeugung der Schaufensterkrankheit ist die optimale Einstellung aller Risikofaktoren. Lassen Sie durch Ihren Hausarzt den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfette gut einstellen. Stellen Sie das Rauchen ein, achten Sie auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung und bewegen Sie sich regelmäßig.


Risiko

Bei einem plötzlichen, kompletten Verschluss einer Beinarterie kann es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommen. Die Arterienverkalkung betrifft nicht nur die Arterien der Beine, sondern den gesamten Körper. Dadurch ist es sehr wahrscheinlich, dass bei Patienten die an einer Schaufensterkrankheit leiden, auch andere Gefäße im Körper verkalkt sind. Verkalkungen der Halsschlagadern können einen Schlaganfall verursachen, Verkalkungen der Herzkranzgefäße können einen Herzinfarkt auslösen.


Diagnose

Die Diagnose erfolgt zuerst durch die Untersuchung beim Hausarzt. Falls Auffälligkeiten beim Tasten oder Abhören der Pulse mit dem Stethoskop auftreten, wird eine Ultraschalluntersuchung beim Gefäßspezialisten erforderlich. Das Ergebnis dieser farbkodierten Duplexsonographie entscheidet über die weiteren Untersuchungsschritte. In manchen Fällen folgt eine Computertomographie (CT-Angiographie) oder eine Kernspintomographie (MR-Angiographie) der Gefäße. Unter Umständen ist auch eine Kontrastmitteluntersuchung über die Leiste (digitale Subtraktionsangiographie) nötig.


Therapie

Im Anfangstadium der Schaufensterkrankheit kann mit Medikamenten versucht werden die Durchblutung zu fördern. Im fortgeschrittenen Stadium muss die Durchblutung meistens durch einen Eingriff wieder hergestellt werden. Hierzu gibt es verschiedene Methoden wie die Gefäßaufdehnung mit oder ohne Stent (Gefäßstütze), die Kalkausschälung und Erweiterungsplastik oder die Anlage eines Bypasses.

Ist die Hauptschlagader betroffen, wird sie durch eine Gefäßprothese ersetzt. Welche Behandlung am Besten ist, hängt vom Ausmaß der Erkrankung und dem Ort der Gefäßverengungen ab. Oftmals werden mehrere Methoden im Rahmen eines operativen Eingriffes kombiniert, um dem Patienten die effektivste Behandlung auf schonendste Weise zukommen zu lassen.

Eine Gefäßaufdehnung mittels Ballondilatation (PTA, Stent) wird beispielsweise sehr häufig bei kurzstreckigen Engstellen oder Verschlüssen, z.B. im Bereich der Becken- , Ober- und Unterschenkelarterien durchgeführt.

Langstreckige Veränderungen im Gefäß werden meistens mit einem Bypass überbrückt. Hierfür können auch körpereigene Gefäße (z.B. Venen vom Bein) verwendet werden.

Die Dauer des Krankenhausaufenthaltes ist abhängig von der Art des Eingriffes. Aufdehnungen werden in der Regel ambulant durchgeführt. Bei kleineren Eingriffen wie z.B. der Kalkausschälung ist mit fünf bis sieben Tagen zu rechnen. Nach Bypassoperationen beträgt der Aufenthalt sieben bis zehen Tage, bei Operationen an der Hauptschlagader sieben Tage bis zwei Wochen.

Das Gefäßzentrum Agatharied ist auf die Behandlung der Schaufensterkrankheit / pAVK spezialisiert und bietet alle klassischen und modernen Therapieverfahren an. Wir beraten Sie über die in Ihrem Fall am besten geeignete Behandlungsmethode.


Nachsorge

Die kurzfristige, bis mittelfristige Erholung ist abhängig von der Art der durchgeführten Behandlung. Nach jeder Gefäßoperation empfehlen wir eine erneute Gefäßuntersuchung zur ersten Verlaufskontrolle in drei Monaten. Weitere regelmäßige Untersuchungen beim Gefäßspezialisten ermöglichen die frühzeitige Feststellung erneuter Gefäßveränderungen und begünstigen eine schnelle Behandlung.

Unabhängig von der Art der Behandlung stellt das Gehtraining einen wesentlichen Baustein für die Dauerhaftigkeit des Behandlungserfolges dar.

Darüber hinaus ist entscheidend wie konsequent Sie gegen Ihre Risikofaktoren vorgehen. Auch nach einem Eingriff, durch den die Durchblutung wieder hergestellt werden konnte, ist es ausnahmslos erforderlich die bekannten Risikofaktoren, hoher Blutdruck, hoher Blutzucker, hohe Blutfette optimal einzustellen. Hören Sie auf zu Rauchen, Raucher sollten spätestens nach einem Gefäßeingriff Aufhören zu Rauchen. Nach einem Gefäßeingriff ist die dauerhafte Einnahme eines Blut verdünnenden Medikamentes, in der Regel ASS 100 (1xtgl), notwendig.