Krankenhaus Agatharied beteiligt sich am süddeutschen Klinikprotest: Symbolische Sperrung des Haupteingangs am 12. Juni – Geplante Sparmaßnahmen gefährden die Gesundheitsversorgung in der Region
Hausham, 12. Juni 2026 – Das Krankenhaus Agatharied beteiligt sich heute am süddeutschen Klinikprotest. Gemeinsam mit zahlreichen Krankenhäusern in Bayern und weiteren Bundesländern macht das Haus auf die geplanten Einsparungen im Krankenhausbereich aufmerksam. Im Rahmen der Protestaktion wird der Haupteingang des Krankenhauses von 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr symbolisch gesperrt. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versammeln sich in dieser Zeit vor dem Haupteingang, um ein Zeichen für eine leistungsfähige Krankenhausversorgung zu setzen.
Hintergrund der Aktion ist der aktuelle Entwurf des sogenannten GKV- Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Ziel der Bundesregierung ist es, die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Das Krankenhaus Agatharied erkennt die Notwendigkeit an, die Sozialversicherungssysteme angesichts der demografischen Entwicklung langfristig tragfähig zu gestalten.
Gleichzeitig sieht das Krankenhaus die geplanten Maßnahmen mit großer Sorge.
„Die Stabilität der Krankenkassenbeiträge ist zweifellos ein wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes. Gleichzeitig dürfen die Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass sie im Krankheitsfall auf eine leistungsfähige und wohnortnahe Krankenhausversorgung vertrauen können“, erklärt Klinikvorstand Benjamin Bartholdt. „Mit dem Krankenhaus Agatharied verfügt die Region über eine moderne und leistungsfähige Klinik, die sich in den vergangenen Jahren durch den großen Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch wirtschaftlich wieder stabilisiert hat. Umso größer ist unsere Sorge, dass die geplanten Sparmaßnahmen die finanzielle Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser erheblich beeinträchtigen könnten. Gerade jetzt brauchen wir Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen.“
Belastungen treffen Krankenhäuser in einer Phase tiefgreifender Veränderungen
Die geplanten Regelungen belasten die Kliniken bundesweit erheblich. Nach Berechnungen der Bayerischen Krankenhausgesellschaft soll den Krankenhäusern im Jahr 2027 ein Sparvolumen von rund 4,6 Milliarden Euro auferlegt werden. Für das Krankenhaus Agatharied bedeutet dies eine zusätzliche Ergebnisbelastung von über fünf Millionen Euro jährlich.
Die vorgesehenen Regelungen betreffen zahlreiche Bereiche der Krankenhausfinanzierung. Nach Einschätzung des Krankenhauses erschweren sie insbesondere die Finanzierung von Personal, Investitionen und die wirtschaftliche Entwicklung der Kliniken. Hinzu kommen weitere bürokratische Anforderungen sowie der Wegfall bestehender Unterstützungsleistungen.
„Eine zusätzliche Belastung von mehr als fünf Millionen Euro pro Jahr können wir nicht einfach hinnehmen“, sagt Bartholdt. „Sie gefährdet die positive Entwicklung, die unser Krankenhaus in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erreicht hat. Diese Mittel fehlen am Ende dort, wo Gesundheitsversorgung entsteht: bei unseren Patientinnen und Patienten. Wenn Tarifsteigerungen nicht mehr refinanziert, Kostensteigerungen nicht berücksichtigt und dringend benötigte Investitionen gestrichen werden, geraten selbst leistungsfähige Krankenhäuser unter Druck.“
Folgen für die Patientenversorgung befürchtet
Das Krankenhaus Agatharied sieht die Gefahr, dass die geplanten Kürzungen langfristig zu Einschränkungen in der Patientenversorgung führen. Bereits heute stehen viele Krankenhäuser vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen.
„Die geplanten Maßnahmen treffen unmittelbar die Menschen, die tagtäglich für die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten verantwortlich sind“, sagt Pflegedirektor Sven Steppat. „Wenn Tarifsteigerungen künftig nicht mehr refinanziert werden, Pflegebudgets gedeckelt und Investitionen in pflegeentlastende Maßnahmen gestrichen werden, verschärft das den Druck auf die Kliniken erheblich. Gleichzeitig sollen weitere Prüfungen und Dokumentationspflichten hinzukommen. Statt Bürokratie abzubauen, wird sie erneut ausgeweitet.“
„Unsere Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen brauchen mehr Zeit für die Menschen und nicht noch mehr Zeit am Schreibtisch“, betont Steppat. „Eine zusätzliche Belastung von mehr als fünf Millionen Euro jährlich stellt auch unser Krankenhaus vor erhebliche Herausforderungen. Langfristig drohen längere Wartezeiten und Einschränkungen im Leistungsangebot. Deshalb beteiligen wir uns an der Protestaktion und setzen ein klares Zeichen für eine starke und zukunftsfähige Gesundheitsversorgung.“
Gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung wird der Bedarf an medizinischen Leistungen in den kommenden Jahren weiter steigen. Das Krankenhaus Agatharied entwickelt sich kontinuierlich weiter, investiert in moderne Medizintechnik und baut medizinische Angebote aus. Diese Entwicklung darf nicht durch zusätzliche finanzielle Belastungen gefährdet werden.
„Wir brauchen unser Krankenhaus Agatharied – heute und erst recht in Zukunft“, betont Thomas Tomaschek, Stellvertreter des Landrats. „Angesichts des demografischen Wandels werden wir in den kommenden Jahren immer mehr Patientinnen und Patienten versorgen müssen. Deshalb brauchen wir eine Politik, die die Krankenhausversorgung stärkt und nicht zusätzlich belastet. Wir appellieren an die Bundesregierung, echte Reformen auf den Weg zu bringen statt einseitiger Sparmaßnahmen zulasten der Gesundheitsversorgung.“
Die medizinische Versorgung im Krankenhaus Agatharied ist während der Protestaktion uneingeschränkt gewährleistet. Die Notaufnahme bleibt jederzeit erreichbar. Aufgrund der Versammlung vor dem Haupteingang kommt es zwischen 11:00 Uhr und 13:00 Uhr lediglich zu leichten Einschränkungen beim Personenverkehr über den Haupteingang.
Bildunterschrift: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses Agatharied gemeinsam mit dem stellvertretenden Landrat Thomas Tomaschek (3. v. l.), dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Markus Rehm (2. v. l.) sowie Pflegedirektor Sven Steppat (Mitte mit Schild).