„Organspende kann Leben retten“

Interview zum Tag der Organspende mit Dr. med. Iris Hertle

Hausham, 03.06.2026 – Anlässlich des Tags der Organspende am 6. Juni informiert das Krankenhaus Agatharied mit einem Infostand über das Thema Organspende.

Im Interview spricht Dr. med. Iris Hertle, Oberärztin der Anästhesie und Intensivmedizin sowie Transplantationsbeauftragte des Krankenhauses Agatharied, über die Bedeutung der Organspende, häufige Missverständnisse und warum es wichtig ist, eine persönliche Entscheidung zu treffen.

Frau Dr. Hertle, warum ist der Tag der Organspende so wichtig?

Der Tag der Organspende soll Menschen dazu ermutigen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine bewusste Entscheidung zu treffen. Viele schieben diese Frage vor sich her, obwohl sie jeden von uns betreffen kann. Gleichzeitig warten in Deutschland viele schwer kranke Menschen dringend auf ein lebensrettendes Organ. Jede dokumentierte Entscheidung – egal ob für oder gegen eine Organspende – hilft Angehörigen und medizinischem Personal im Ernstfall weiter.

Warum beteiligt sich das Krankenhaus Agatharied mit einem eigenen Infostand?

Uns ist Aufklärung besonders wichtig. Rund um das Thema Organspende gibt es nach wie vor Unsicherheiten, Fragen oder auch Vorurteile. Uns geht es darum, das Thema erneut in den Fokus zu stellen und mehr Menschen dafür zu sensibilisieren.

Welche Fragen stellen Menschen besonders häufig?

Viele möchten wissen, wann überhaupt eine Organspende möglich ist und wie der Hirntod festgestellt wird. Andere fragen sich, ob Ärzte wirklich alles tun, um ein Leben zu retten, wenn ein Organspendeausweis vorliegt.

Die Antwort ist ganz klar: Eine Organspende ist nur möglich, wenn es zu einer schweren Gehirnschädigung kommt – etwa durch eine Blutung, einen Sauerstoffmangel im Gehirn oder einen schweren Unfall. Sollte eine Organspende in Frage kommen, wird der Patient so lange auf der Intensivstation behandelt, bis eindeutig feststeht, dass das Gehirn irreversibel geschädigt ist.

Die Therapie von Menschen mit Organspendewunsch und ohne Organspendewunsch unterscheidet sich höchstens in der Dauer der Behandlung. Denn bei einem potenziellen Organspender warten wir, bis der Nachweis erbracht ist, dass das Gehirn tot ist. Damit beantwortet sich auch die Frage, ob für Menschen, die ihre Organe spenden wollen, alles getan wird: Für jeden Patienten wird alles medizinisch Mögliche getan.

Was wünschen Sie sich persönlich im Umgang mit dem Thema?

Ich wünsche mir, dass sich Menschen stärker mit dem Thema auseinandersetzen und anschließend eine bewusste Entscheidung treffen – unabhängig davon, ob sie ihre Organe spenden möchten oder nicht.

Ganz wichtig ist außerdem, dass diese Entscheidung festgehalten wird – beispielsweise in einem Organspendeausweis, im Organspende-Register oder zumindest mündlich gegenüber den nächsten Angehörigen. Andernfalls geraten Angehörige unter Umständen in eine sehr belastende Situation: Ein nahestehender Mensch ist plötzlich lebensgefährlich verletzt oder schwer erkrankt, und sie müssen innerhalb kurzer Zeit selbst eine Entscheidung zur Organspende treffen, ohne die Haltung des Betroffenen zu kennen. Wer seine Wünsche festhält, nimmt seinen Angehörigen diese schwere Last ab.

Das Krankenhaus Agatharied engagiert sich seit vielen Jahren in diesem Bereich. Was bedeutet Ihnen das?

Das Thema Organspende ist für uns eine wichtige gesellschaftliche, aber auch medizinische Aufgabe. Als Ärzte sind wir dem Patientenwohl verpflichtet, auch dem der Patienten auf der Warteliste zur Organspende. Wir haben im Krankenhaus feste Strukturen geschaffen, um mögliche Organspenden professionell und sensibel zu begleiten. Gleichzeitig investieren wir viel in Fortbildung und Aufklärung.

Dass dieses Engagement bereits zweimal mit dem Bayerischen Organspendepreis gewürdigt wurde, freut uns sehr – vor allem aber motiviert es uns, weiterhin aufmerksam zu machen und Menschen zu informieren.

Information zum Infostand

Das Krankenhaus Agatharied informiert interessierte Bürgerinnen und Bürger zum Tag der Organspende am 6. Juni 2026 in der Eingangshalle mit einem Informationsstand. Informationsmaterial und Organspendeausweise zum Mitnehmen liegen bereit.

Dr. med. Iris Hertle, Oberärztin der Anästhesie und Intensivmedizin, Transplantationsbeauftragte des Krankenhauses Agatharied